• Werbung

    Ihre Werbung hier?

Vampirgeschichte: Shadow’s Child

Als der Vampirboom in den letzten Jahren seinen Höhepunkt erreicht hat, habe ich mir gedacht, ich schreibe einfach auch einen Vampirroman und verdiene damit Millionen… Das hat nicht so ganz funktioniert, weil ich die Geschichte nie beendet habe; ansonsten würde ich ja irgendwo gerade in einem Whirlpool-sitzender-Weise Champagner schlürfen und nicht an meinem Blog arbeiten. Auf jeden Fall biete ich euch die Möglichkeit ein bisschen in meinen Roman hineinzulesen. Sollten 20 Kommentare von 20 unterschiedlichen Personen zu Stande kommen, so werde ich nach und nach die Fortsetzungen online stellen.
Das auf dem Foto ist übrigens meine Freundin, die, wie man sehen kann, gerade ziemlich angepisst aus dem Wasser steigt, in welches ich sie lustigerweise letzten Winter geschubst habe… 🙂

 

Prolog

Ein kalter kurzer Schmerz an meinem Hals; Es hatte nichts Romantisches oder sexuell Erregendes, wie einem manche Schundromane glauben machen wollen. Ekel und Angst beherrschten meine Gedanken. Der Biss paralysiert. Ein Moment der völligen Hilflosigkeit. Ein Gefühl im Körper, als würde die Substanz des Menschseins aufgesogen werden und verschwinden. So ist es wohl auch. Vom menschlichen Wesen bleibt sehr wenig zurück, d.h. sollte man den Biss eines Vampirs überleben. Alles was das Menschsein ausmacht ist dahin und verloren.
Als Vampir ist man keine neue Stufe der Evolution, vielmehr ein Rückschritt. Man wird zu einem Tier, nein noch weniger; Ich bin kein jagendes Tier sondern einfach ein Parasit. Instinkt und Triebe dominieren mich. Ich bin nicht froh darüber was ich bin, noch werde ich es jemals werden, doch mein Überlebenstrieb lässt mich weitermachen. Ich denke oft an Selbstmord, doch lässt dies keine Faser meines Körpers zu. So bin ich unaufhörlich dazu verdammt das zu sein was ich bin. Ein Parasit, eine Laune der Evolution, ein Vampir.

Kirchen schrecken mich nicht ab, Weihwasser verbrennt mir nicht die Haut und Kreuze sind mir egal. Meine Vermutung geht dahin, dass mit diesen Ammenmärchen die Kirche sich wieder einmal als Lösung des Problems anbiedern wollte. Die Kirche… noch so ein Parasit..

Ich bin nachaktiv. Mit dem Vampirwerden scheint es als habe sich meine innere Uhr umgestellt. Am Tag werde ich müde, in der Nacht bin ich wach. Bei vielen Tieren ist das so, scheinbar auch bei Parasiten. Es ist nicht so, dass mir das Sonnenlicht in irgendeiner Weise etwas ausmachen würde, allerdings werde ich sehr schnell krebsrot und auch Parasiten sollte man das Recht auf Eitelkeit zusprechen.

Durch den Biss in jener Nacht wurde ich infiziert. Ich habe überlebt und nun bin ich einer von ihnen und lebe ein Leben ausgerichtet auf die Zufriedenstellung meiner Triebe.

Das sind die Spielregel nach denen ich das Spiel spielen muss. Ein Spiel in dem die anderen verlieren und ich nicht gewinne.

Ammelie Brown, 98 Jahre, Vampir

Kapitel 1

Ich bin müde, es ist bereits früher Vormittag. Normalerweise liege ich um diese Zeit schon in meinem kuscheligen Bett, aber der Drang nach Blut hält mich noch etwas wach. Ich schaffe es normalerweise 3 bis 4 Nächte meine Triebe unter Kontrolle zu halten. Mir fällt gerade auf, dass das ein neuer Rekord werden könnte, die fünfte Nacht ist schon fast um. Die ganze Nacht habe ich es geschafft Avancen junger Männer keine Beachtung zu schenken, auch wenn der Drang meine Zähne in ihren Hals zu schlagen und ihr Blut bis auf den letzten Tropfen aufzusaugen fast übermenschlich, oder in meinem Fall „überparasitisch“, war.

Nicht das ich solch eine Menge aufnehmen könnte, aber es ist durchaus vergleichbar mit dem Gefühl das man hat, wenn man mit Hunger einkaufen geht: Man kauft und kauft, weil man ja so viel essen möchte und dann ist man nicht einmal fähig die Hälfte davon zu vertilgen.

So, jetzt noch ein paar Meter zum Haupteingang meiner Wohnanlage und dann sollte ich es geschafft haben.

Ach, wo ist denn schon wieder der Schlüssel? Ich sollte wirklich einmal aufhören sämtlichen Kram den ich für den „Notfall“ als wichtig erachte in meine Handtasche zu schmeißen. Es kann natürlich vorkommen, dass man einen Kaugummi, eine Haarbürste, ein Pflaster oder von mir aus auch eine Batterie benötigt, aber was Gegenstände wie ein Stromkabel, eine Kerze und ein Matchboxauto darin verloren haben, entbehrt meiner eigenen Logik.

Während ich weiter in meiner Tasche wühle, blicke ich kurz auf. Ich sehe meinen Nachbarn, einen ansehnlichen, großen, dunkelhaarigen Mann auf mich zukommen.

Er lebt allein in seinem Apartment, es würde nicht so schnell auffallen wenn er verschwindet. Ich könnte in der nächsten Nacht in aller Ruhe seine Leiche entsorgen… Nein, ich muss mich sofort von diesen Gedanken befreien.

Es ist erschreckend; wie sehr ich mich auch zu einem Parasiten rückentwickelt habe, so ist mir die dem Menschen eigene Voraussicht in Bezug auf die Konsequenzen von Handlungen geblieben. Ich bin vorsichtig wenn ich meinem Trieb nach menschlichem Blut auslebe. Ich darf nicht, will nicht entdeckt werden; für mich ebenso ein Urinstinkt oder Trieb wie das Verlangen nach Blut selbst.

Bitte sprich mich einfach nicht an! „Hallo Ammelie, kommst du auch erst nach Hause?“ höre ich ihn sagen. Wie sollte er auch anders? Seit ich ein Vampir bin muss ich irgendeine Art von Pheromon oder dergleichen absondern.

Mit manchen habe ich darüber gesprochen was ihnen so an mir gefallen würde. Neben meinem Aussehen, das sich seit ich mit 25 gebissen wurde übrigens nicht verändert hat, abgesehen natürlich von neuen Trends in Sachen Haaren und Mode, scheine ich Männern in meiner Nähe ein Gefühl von Vertrauen, Wärme und Geborgenheit zu vermitteln und irgendwie ihren Beschützerinstinkt zu wecken. Allesamt hatten keine Hemmungen mich anzusprechen, da sie ein „gutes“ Gefühl dabei hatten. Wie sehr der Mensch doch irren kann… Schade um diese ehrlichen Männer, sie hätte bestimmt ein gutes Leben geführt.

Der Punkt ist überschritten, ich merke wie ich die Kontrolle verliere. Von nun an läuft alles wie ferngesteuert. Ich will es nicht, aber ich tue es. Oder will ich es und tue es deswegen? Meine Antwort, mein Lächeln, mein Augenaufschlag. Ich bin mir der Konsequenzen für ihn bewusst, ich will ihm kein Leid zufügen… was heißt ich will nicht? Es ist mir in diesem Moment schlichtweg egal. Alle Bedenken darüber zerstreuen sich und in den Vordergrund treten andere Gedanken. Im Bruchteil einer Sekunde entsteht der Plan von der Verführung bis hin zur Entsorgung seines leblosen Körpers.

Er hat schon längst keine Wahl mehr. Der Parasit hat sich bereits auf ihm niedergelassen und wartet nur darauf endlich sein Werk beginnen zu können. Mein Nachbar hat keine Chance die Einladung zu einem morgendlichen Kaffee in meiner Wohnung abzulehnen. Natürlich könnte er, aber er will nicht, niemand will das.
Mein Nachbar schließt die Türe des Haupteingangs auf. Der Parasit und er gehen hindurch. Mein Nachbar macht einen kleinen unanständigen Witz über die Bedeutung des „morgendlichen Kaffees“, der Parasit lacht, zwinkert ihm zu und streicht ihm leicht über die Wange. Sie beginnen die Treppen in den zweiten Stock emporzusteigen. Während des Gehens ergreift der Parasit mit beiden Händen meines Nachbars Oberarm, drückt sich an diesen und kuschelt seinen Kopf auf dessen Schulter. Mein Nachbar blickt, den Kopf leicht zur Seite gedreht, lächelnd auf den Parasiten. Dieser hebt kurz den Kopf, erwidert den Blick unschuldig, als wolle er sagen „Darf ich etwa nicht?“ und senkt sein Haupt wieder.

Sie gelangen zu meiner Wohnungstür. Der Parasit lässt meinen Nachbarn los, greift mit der rechten Hand in meine Tasche und findet ohne(!) danach suchen zu müssen meinen Wohnungsschlüssel…

Bookmark the permalink.

One Response to Vampirgeschichte: Shadow’s Child

  1. Anton says:

    Du hast aber eine schöne Freundin! Respekt 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.