Abgucken, nachmachen, inspirieren lassen: von anderen lernen, heißt siegen lernen

siegen lernenDie meisten Männer haben eine „jeder für sich“-Mentalität verinnerlicht. Und ganz nüchtern betrachtet, kommt man mit dieser Einstellung gerade in der heutigen Welt auch weit. Denn nur wenn man alles selbst macht, stellt man auch sicher, dass es wirklich anständig gemacht wurde und nicht nur „half-assed“, wie der Amerikaner zu sagen pflegt. Wer seine Winterräder selbst aufsteckt, muss sich keine Gedanken darüber machen, ob der übermüdete Azubi, den die meisten Werkstätten mit solchen Aufgaben betrauen, auch wirklich alle Radbolzen angezogen hat. Und wer traden will, sucht sich seine Informationen lieber selbst zusammen, anstatt sie (und sein sauer verdientes Geld) jemandem anzuvertrauen, der auf Festgehaltsbasis arbeitet. Aber, und das ist der springende Punkt, nur wer über diese „Lone Gunman“-Attitüde hinausblicken kann, wird wirklichen Erfolg feiern. Denn nicht nur aus den Erfolgen anderer lässt sich lernen, sondern auch aus deren Fehlern. Wer im Team arbeitet oder sich gut vernetzt, ist letztendlich meist erfolgreicher.

Selbst Kino-Einzelkämpfer haben es schwer

Um den Grundgedanken dieser These zu erklären, muss der geneigte Leser sich nur mal einen beliebigen Filmhelden aus der J-Namenskategorie aussuchen:

  • John Wick
  • Jack Reacher
  • John Rambo
  • Jason Bourne
  • James Bond
  • John McClane

haben eines gemeinsam: In ihren Filmen sind sie den größten Teil der Story über auf sich alleine gestellt. Nun brauchen wir nicht darüber zu disputieren, dass gerade aus dieser Einzelkämpfer-Haltung heraus ein Großteil des Coolness-Faktors resultiert. Aber es sollte eben auch klar sein, dass genau sie auch dafür verantwortlich ist, dass unsere Filmhelden es so verdammt schwer haben. Hätte John McClane, der Held der „Stirb Langsam“-Filmreihe, sein eigenes SWAT-Team dabeigehabt, wäre der erste Film nach 20 Minuten beendet gewesen. So aber musste der Polizist aus New York die Gangster im Alleingang ausräuchern.

Das zeigt uns eines: Wer immer nur auf sich alleine gestellt arbeitet, hat es grundsätzlich schwerer – selbst, wenn er mit sämtlichen Waffen, Zufällen und glücklichen Händchen versehen ist, welche ihm die Drehbuchschreiber andichten. Er muss alles alleine tun, sich alles alleine aneignen. Und in der realen Welt abseits der Leinwand gilt das noch umso mehr.

Wenn Einzelkämpfer nicht alles wissen

Ein gesundes Ego ist wichtig. Denn nur das gibt einem das nötige Rüstzeug, vor allem in der Berufswelt bestehen zu können. Aber so großartig ein gutes (nicht übertriebenes) Ego auch ist, wenn es mit dem Glauben einhergeht, allwissend und unfehlbar zu sein, wird daraus eine Negativrechnung.

Machen wir uns nichts vor. Egal wie gut man in seinem Bereich auch Bescheid weiß, egal wie sorgfältig die Ausbildung, wie gut der Ausbilder war, es gibt immer jemanden auf der Welt, der es vielleicht noch einen Tacken besser weiß. Man denke an Rudi Völler, der sich in seiner Sportlerkarriere einiges erarbeitet hat – und es anschließend als Trainer weitergab, damit die nächste Generation noch ein bisschen besser werden kann: auch er hatte Trainer, die ihm das Können nahebrachten, was er später auf den Platz brachte. Doch hier kommt das Entscheidende: Man kann verdammt gut sein. Doch wenn man zulässt, dass das eigene Ego verhindert, dass man sich Wissen von jemandem aneignet, der noch besser ist, als man selbst, wird man niemals der Beste werden. Das weiß jeder, der einen Egomanen in der Mannschaft hat, der partout nicht wahrhaben möchte, dass andere ihm helfen können um noch ein bisschen besser zu werden.

Das gilt nicht nur für den aktiven Sport, sondern auch für die passive Teilnahme daran. Mal angenommen, man möchte mit Sportwetten ein paar Euro machen – was dem einen oder anderen zur WM sicherlich in den Sinn kommt. Wer einfach nur mit den paar Dingen, die er darüber weiß, loszieht, wird vermutlich das Gegenteil erreichen und sein Geld verspielen. Wer sich hingegen erst mal Infos zu Sportergebnissen holt, lernt – aus der Vergangenheit und von Leuten, die von der Materie wahrscheinlich weitaus mehr Ahnung haben, als man selbst. Und je mehr man das tut und mit seinem eigenen Können und Erfahrungen vermischt, desto besser wird man.

Und dieses Beispiel gilt für alles andere: es wird immer jemanden geben, der mehr weiß und/oder kann, als man selbst. Nur wenn man sein Wissen annimmt, wird man irgendwann über ihn hinauswachsen können.

Outsourcen von Fehlern an andere

Aber gehen wir weg vom Sport und hin zum allgemeinem Leben – vielleicht hat der eine oder andere in seinem Leben schon mal ein Auto besessen, das einfach nur den Titel Schrottkarre verdiente. Ein Wagen, der wirklich dauernd kaputt war, einen richtig viele Nerven und noch mehr Geld kostete und dabei nicht einmal irgendwelche Boni abwarf. Wäre man da, so in der Retrospektive, nicht froh gewesen, wenn vor dem Kauf damals jemand gekommen wäre und einem gesagt hätte „Finger weg, das Modell ist für seine tausenden Fehler zwischen Rost und Elektrik bekannt“?

Was das bedeuten soll? Ganz einfach: Wer immer alles im Alleingang erledigt, sorgt dafür, dass er auf diesem Weg sämtliche Fehler mitnimmt. Fehler, die vielleicht (und sehr wahrscheinlich) von anderen bereits begangen wurden und die man schon dadurch hätte vermeiden können, dass man ihr Wissen mitnahm. Um beim Auto zu bleiben: Warum gibt es wohl die Regel, dass man niemals einen Neuwagen kaufen sollte, dessen Modell vor weniger als einem Jahr herausgekommen ist? Ganz einfach: damit andere und nicht man selbst sich mit den Kinderkrankheiten herumplagen können.

Der gute Einzelkämpfer wartet erst mal ab und beobachtet die anderen. Sollen sie an den Stolperdrähten hängenbleiben. Und wenn sie das tun, übersteigt man die Hindernisse locker grinsend und zieht an ihnen vorbei in Richtung Zielgerade.

Richtig mitnehmen

Allerdings muss man spätestens jetzt etwas ganz deutlich unterstreichen: Ja, es ist wichtig, von anderen Wissen anzunehmen, sich von ihnen inspirieren zu lassen. Allerdings auch mit Abstrichen. Sie beginnen damit, dass man schön blöd wäre, nur auf eine einzige Quelle zu vertrauen. Beim Investieren wie beim Lernen gilt: Nur wer seine Schäfchen breit verteilt, sorgt dafür, dass einzelne Rückschläge ihn nicht fertigmachen. Das bedeutet also, dass man weder nur einer Zeitung, nur einem Experten, nur einem Forumskollegen glauben, sondern immer mehrere Meinungen einholen sollte. Schon um zu vermeiden, dass man eventuell ein Opfer von absichtlich falschen Fährten wird.

Und spätestens wenn das, was man von anderen lernen könnte, komplett gegen die eigene Überzeugung geht, sollte man ebenfalls vorsichtig sein. Denn die Erfahrungen von anderen sind zwar gut und schön. Aber sie sollten nicht dazu führen, dass man sich charakterlich so verbiegt, dass man nicht mehr Mann selbst ist.

Fazit

Das Wissen anderer ist in dem Konkurrenzkampf, der sich Leben nennt, wie einzelne Leitersprossen. Auf dem Weg nach oben muss man diese zwangsweise übersteigen, um weiter in Richtung Gipfel zu streben. Nur wer bereit ist, von anderen und auch ihren Erfolgen zu lernen, wird diese Menschen irgendwann übertreffen können. Und nur darauf kommt es an – nicht das Wie.

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